Unser Körper besteht zum Großteil aus Wasser. Und was passiert mit Wasser in einer eisig kalten Umgebung? Genau, es gefriert mit der Zeit.
Vereinfacht gesagt passiert das zum Beispiel in den Fingern oder in der Nase, wenn es dort zu einer Erfrierung kommt. «In den Zellen und im Raum zwischen den Zellen bilden sich dann Eiskristalle», sagt Prof. Niclas Broer, Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie an der München Klinik. Die Eiskristalle können die Zellen zerstören und schlimmstenfalls Gewebe absterben lassen. Betroffen ist zunächst die Haut, doch auch das darunterliegende Fett- und Muskelgewebe kann in Mitleidenschaft gezogen werden.
Anfällig für Erfrierungen sind Körperteile, die die vergleichsweise schlecht durchblutet sind - und die auch an klirrend kalten Tagen gern mal frei liegen. Dazu zählen etwa Hände, Ohren oder die Nase. Sind sie über Stunden ungeschützt Minustemperaturen ausgesetzt, kann es für sie kritisch werden - vor allem, wenn Wind dazukommt. Bläst ein Luftzug über die Haut, nimmt er nämlich die Wärme mit, die uns umgibt.
Was ist der Unterschied zu einer Unterkühlung?
Eine Erfrierung betrifft nur einzelne Körperstellen, eine Unterkühlung hingegen das ganze System. Denn dabei sinkt die Körperkerntemperatur gefährlich ab. Ein Notfall, denn nach und nach stellen die Organe ihre Arbeit ein, ein Kreislaufstillstand droht. Daher sollte man bei Verdacht auf eine Unterkühlung sofort den Notruf 112 wählen.
Doch woran erkennt man eine Unterkühlung? DRK-Bundesarzt Prof. Bernd Böttiger zufolge gibt es diese Anzeichen:
- Erste Symptome sind Kältezittern und eine schnelle Atmung.
- Im weiteren Verlauf verlangsamt sich die Atmung, Muskelstarre tritt ein. Betroffene werden immer müder - bis hin zur Bewusstlosigkeit.
Erfrierungen und Unterkühlungen können Hand in Hand gehen, aber auch jeweils einzeln auftreten.
Wie schütze ich mich vor Erfrierungen - und auch vor Unterkühlung?
Mütze, Handschuhe, dicke Socken: Wer sich bei eisigen Temperaturen nach draußen begibt, sollte sich warm genug einpacken. Wichtig dabei: «Die Kleidung sollte nicht zu eng sein, damit nichts abgeschnürt wird. Das schränkt nämlich die Durchblutung ein und erhöht dementsprechend auch das Risiko für Erfrierungen», sagt Niclas Broer. Wenn möglich, sollte man sich zwischendurch aufwärmen.
Was sind Anzeichen für eine Erfrierung?
Mal ohne Handschuhe eine Schneeballschlacht gemacht? Dann kennen Sie die frühen Stadien einer Erfrierung. Die Finger werden eiskalt, kribbeln und stechen leicht, die Haut färbt sich rot. «Anfangs ist sie nämlich noch vermehrt durchblutet. Doch dann machen die Blutgefäße zu, dann wird die Haut in der Regel blass. Und man merkt, dass man die Finger weniger gut bewegen kann», erklärt der Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie.
Wer sich jetzt nicht aufwärmt, riskiert, dass die Erfrierung fortschreitet. Dann kommt es zu Taubheitsgefühlen. Die Haut bleibt weiß, weil ihr das Blut fehlt. Dann ist die Frage: Kann sich das Gewebe wieder erholen - oder nimmt es dauerhaft Schaden?
Was ist beim Aufwärmen wichtig? Und was sind No-Gos?
Durch Reibung entsteht doch Wärme, oder? Stimmt zwar - und dennoch ist das Reiben der betroffenen Körperstellen keine gute Idee. «Das kann das Gewebe noch mehr schädigen», warnt Niclas Broer. Die unterkühlte Hand etwa gehört jetzt auch nicht unter heißes Wasser oder an die voll aufgedrehte Heizung. Besser: die erfrorenen Körperstellen langsam bei Raumtemperatur wieder aufwärmen lassen.
Gut zu wissen: Bei leichteren Erfrierungen können andere ihre eigene Körperwärme spenden, also den betroffenen Körperteil beispielsweise in Achselhöhle wärmen, so Bernd Böttiger. Erfrierungen im Gesicht lassen sich mit den Händen wärmen.
Körperteile, die bereits hartgefroren sind, sollte man allerdings auf keinen Fall bewegen. Jede Erschütterung kann weitere Schäden bedeuten. Besser: Den Notruf wählen, die Erfrierung locker mit einem sauberen Verbandstuch bedecken und abwarten, bis die Profis übernehmen.
Wann sollte ich eine Erfrierung ärztlich abklären lassen?
Generell gilt: lieber einmal zu oft als zu selten einen Arzt oder eine Ärztin draufschauen lassen. Bei folgenden Anzeichen rät Niclas Broer sogar dazu, das Krankenhaus aufzusuchen:
- wenn Blasen zu sehen sind
- wenn man die Finger auch Stunden nach dem Aufwärmen nicht wieder richtig spürt und/oder die Haut blass bleibt
Es gibt Möglichkeiten, Erfrierungen zu behandeln. Zum Einsatz kommen beispielsweise Medikamente, die die Gefäße weiten und damit die Durchblutung des Gewebes verbessern. Auch entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen können bei der Behandlung von Erfrierungen helfen. «Das muss aber kontrolliert ablaufen, daher sollte man das den Profis überlassen», so Broer.
Und was hat es mit Frostbeulen auf sich?
Frostbeulen sind - medizinisch gesehen - keine Erfrierungen. Dabei reagieren sehr kleine Blutgefäße in der Haut, die sogenannten Kapillaren, mit einer Art Entzündung auf Kälte.
«Sie stellen sich ganz eng, werden dann wieder weit und stellen sich dann wieder eng. Daher kommt die Beule bzw. die fleckförmige Farbveränderung der Haut», sagt Broer. Die Entzündung kann Schmerzen und ein Brennen verursachen, manchmal auch erst Stunden, nachdem man in der Kälte unterwegs war.
Die gute Nachricht: Frostbeulen verschwinden von allein wieder «Man sollte sie aber nicht zusätzlich reizen, also sie nicht massieren oder Wärme draufgeben. Was man aber machen kann: eine Wundpflegecreme auftragen», sagt Niclas Broer.
Manche Menschen neigen zu Frostbeulen, andere haben sie nie. Wer diese Hautschwellungen immer wieder bekommt, nimmt das am besten als Anlass, sich ärztlich durchchecken zu lassen. Frostbeulen können nämlich in Zusammenhang mit anderen Durchblutungsstörungen stehen.



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